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Austria: Limitation Periods in Financial Services Litigation: A Shift in Austrian Jurisprudence?

In a recent judgment, the Austrian Supreme Court softened its settled case law on the uniform beginning of the limitation period for damages incurred by investors.

Starting point of the limitation period for investors’ damages

According to sec 1489 of the Austrian Civil Code (Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch), damage claims are time-barred within three years from the day the damage and the tortfeasor are known to the damaged party. Only, if the damage results from a wilfully committed criminal offence which can be sanctioned with at least one year of imprisonment, the statute of limitations will be prolonged to 30 years.

The Austrian Supreme Court regularly defines damage as any monetary disadvantage of the damaged party. An investor either has already suffered an actual financial loss or liability has arisen or is very likely to arise. Knowledge of the damage and the liable party is assumed as soon as the damaged party is able to successfully file a claim against the damaging party, even if the exact amount of the damage claim remains unclear.

The “original” cause of the damage

Until recently, the Austrian Supreme Court applied the so-called “one-entity theory” (Einheitstheorie) to determine the beginning and end of the limitation period. Accordingly, the original cause of damage triggered a uniform limitation period for any foreseeable consequential damages. With regard to investors’ damages due to a breach of duty by a financial advisor, the original damage has frequently been deemed to be the purchase of a risky investment instrument (eg swaps, options and other derivatives instruments). In this case, the damage of the investor was the fact that he bought a high-risk instead of a low-risk investment.

Do different causes of damages trigger different limitation periods?

The German Supreme Court chose a different path and developed the so-called “separation thesis” (Trennungsthese). According to this theory, different causes of damages trigger separate limitation periods. This means that in one proceeding a damage claim based on one breach of duty might be time-barred, whereas the limitation period for the same damage (in the same amount) based on another breach of duty might not have expired yet.

New case law

Recently, the Austrian Supreme Court chose to transfer the legal concept of the (German) “separation thesis” into Austrian law (3 Ob 112/15i). It ruled that the failure to provide advice on the loss risk of the invested money and the failure to provide clarification that pay-outs to the investor are not irrevocable profits but the repayment of contributions (and thus might have to be refunded by the investor), trigger two separate limitation periods. This judgment left many urgent questions unanswered and was hotly debated by legal scholars and practitioners. Fortunately, this controversy caused the Austrian Supreme Court to make some important clarifications in its most recent ruling on this issue (5 Ob 133/15t). Pursuant to this ruling, it is a prerequisite for the existence of different limitation periods that the damage claim is based on autonomous breaches of duty by the financial advisor and that such a failure was of significant importance to the investor.

Summary and outlook

Although the Supreme Court linked the existence of different limitation periods to certain conditions, its recent judgments are a remarkable shift in Austrian jurisprudence. There has also been an intense debate among legal scholars about the recent judgments and the admissibility of the separation thesis under Austrian law. It remains to be seen how Austrian courts will handle limitation periods in investor-related proceedings in the future when there is more than one breach of duty. In a worst-case scenario, claims that would already be time-barred pursuant to the earlier jurisprudence could now be filed successfully.

Different causes of damages may trigger separate limitation periods for investors’ damage claims.

Beginn der Verjährungsfrist bei Anlegerschäden: Richtungswechsel in der österreichischen Rechtsprechung?

Der Oberste Gerichtshof (OGH) ist in einer seiner jüngeren Entscheidungen von seiner ständigen Rechtsprechung zum Beginn der Verjährungsfrist bei Anlegerschäden abgegangen.

Beginn der Verjährungsfrist bei Anlegerschäden

Gemäß § 1489 ABGB sind Schadenersatzansprüche binnen drei Jahren nach Kenntnis des Geschädigten von Schaden und Schädiger verjährt. Lediglich wenn der Schaden aus einer vorsätzlich verübten Straftat, die mit zumindest einem Jahr Freiheitsstrafe bedroht ist, resultiert, wird die Verjährungsfrist auf 30 Jahre verlängert.

In seiner ständigen Rechtsprechung versteht der OGH einen Schaden als jeglichen monetären Nachteil des Geschädigten. Dies ist insbesondere der Fall, wenn ein Anleger bereits einen finanziellen Schaden erlitten hat, ihm Verbindlichkeiten entstanden sind oder es sehr wahrscheinlich ist, dass ein Schaden bzw Verbindlichkeiten entstehen. Bei Schadenersatzansprüchen wegen falscher Anlageberatung beginnt die Verjährungsfrist nach stRsp bereits in dem Zeitpunkt, zu dem einem Anleger erkennbar war, dass er das abgeschlossene Geschäft eigentlich gar nicht wollte. Dies ist auch dann der Fall, wenn der Geschädigte die Höhe seines Schadens noch nicht beziffern kann, ihm noch nicht alle Schadensfolgen bekannt bzw diese auch noch nicht zur Gänze eingetreten sind.

Die Einheitstheorie

Bis vor kurzem zog die ständige Rechtsprechung die sogenannte “Einheitstheorie” für die Bestimmung von Beginn und Ende der Verjährungsfrist heran. Dementsprechend löste der erste Beratungsfehler eine einheitliche Verjährungsfrist für alle vorhersehbaren Folgeschäden, aus. Der Schaden eines Anlegers liegt demgemäß im Erwerb eines Produktes, das nicht seinen Vorstellungen und seiner Risikobereitschaft entspricht (zB Swaps, Optionen oder andere Derivate). Der die Verjährungsfrist auslösende Schaden Erwerb eines risikoträchtigen anstatt eines risikoaversen Investments.

Lösen verschiedene Beratungsfehler verschiedene Verjährungsfristen aus?

Abweichend von der bisherigen österreichischen Rechtsprechung, wendet der Bundesgerichtshof (BGH) die sogenannte “Trennungsthese” an. Verschiedene Beratungsfehler lösen demnach verschiedene Verjährungsfristen aus. Das bedeutet, dass in demselben Verfahren ein Schadenersatzanspruch wegen einem Beratungsfehler bereits verjährt sein kann, hinsichtlich desselben Schadens (in derselben Höhe) aufgrund anderer Beratungsfehler aber möglicherweise noch nicht verjährt ist.

Neue Judikaturlinie in Österreich?

Der OGH hat nun erstmals die vom BGH entwickelte “Trennungsthese” in österreichischen Anlegerverfahren angewendet (3 Ob 112/15i). In dem dieser Entscheidung zugrunde liegenden Sachverhalt löste die unterlassene Aufklärung über das Risiko des Investments sowie über die Tatsache, dass Auszahlungen keine Gewinnausschüttungen, sondern potentiell rückzahlbare Kapitalausschüttungen sind, zwei unterschiedliche Verjährungsfristen aus. Diese Entscheidung wurde in der Literatur heftig kritisiert und ließ viele Fragen offen. Dies dürfte den OGH zur Klarstellung in einer nachfolgenden Entscheidung (5 Ob 133/15t) veranlasst haben: Voraussetzung für das Bestehen unterschiedlicher Verjährungsfristen ist, dass es sich um selbstständige Beratungspflichtenverletzungen handelt und diese von signifikanter Bedeutung für den Anleger waren.

Zusammenfassung und Ausblick

Auch wenn der OGH die Anwendung unterschiedlicher Verjährungsfristen an bestimmte Voraussetzungen geknüpft hat, sind sie dennoch eine einschneidende Änderung der ständigen Rechtsprechung. In der österreichischen Rechtswissenschaft wird über diese Entscheidungen und die Frage, ob die deutsche Rechtsprechung zur Trennungsthese überhaupt mit dem österreichischen Schadenersatzrecht dogmatisch vereinbar ist, weiterhin heftig diskutiert. Es bleibt daher abzuwarten, wie österreichische Gerichte mit dieser höchstgerichtlichen Rechtsprechung in Zukunft umgehen. Im ungünstigsten Fall könnten dadurch eigentlich bereits verjährte Schadenersatzansprüche auf Grundlage allfälliger anderer Beratungspflichtverletzungen geltend gemacht werden.

Mehrere selbstständige Beratungsfehler können unterschiedliche Verjährungsfristen für Schadenersatzansprüche auslösen.